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Full Dedication ALVARO

ein musikalischer Dokumentarfilm von Hans Kotter, Jochen Hägle und Christian Zschammer
birds & bells Filmproduktion © 2008

Synopsis:

Eine grüne, chilenische Feuerwehrjacke, eine weiße Hose und rote Herzchen an den Schnürsenkeln. Alvaro Peña-Rojas kleidet sich gerne extravagant. Der 62-jährige, gebürtige Chilene fällt auf in der deutschen Kleinstadt Konstanz, viele kennen ihn hier zumindest vom Sehen. Mit seiner Musik stößt erin der Stadt am Bodensee jedoch nur auf wenig Resonanz.
Alvaros Auftritte versprühen skurrilen Charme. Er singt schief, spielt nur mit 8 Fingern Klavier bzw.Keyboard und trägt dabei weiße Handschuhe. Seine überwiegend selbstkomponierte Musik ist minimalistisch, seine Texte sind karg. Jahrelang feilt er an seinen Musikstücken und spielt sie immer wieder anders.

Alvaro begann seine musikalische Laufbahn in den 60er Jahren in seiner chilenischen Heimat als Saxophonist verschiedener Rock'n'Roll-Bands. Anfang der 70er Jahre landete er in London und konnte nach dem Putsch in Chile nicht mehr in sein Heimatland zurückkehren, da er Sympathisant der gestürzten Allende-Regierung war.

In den frühen 70er Jahren gab Alvaro auch seinen gutbezahlten Job als Werbetexter auf, er begann auf der Straße und in besetzten Häusern zu leben, er traf Joe Strummer (später Mitglied von The Clash) und gründete mit ihm eine der ersten Punkbands Großbritanniens: The 101ers. Alvaro verließdie Band jedoch bald wieder, legte das Saxophon beiseite, brachte sich selbst das Klavierspiel beiund begann seine Werke ab Mitte der 70er Jahre unter eigenem Namen (mit dem Zusatz: The Chilean With The Singing Nose) zu veröffentlichen. Ende der 70er Jahre ließ er sich schließlich dauerhaft in Konstanz nieder.

Alvaro betreibt ein eigenes Plattenlabel namens Squeaky Shoes Records auf dem er seine Singles,LPs, Tapes und CDs veröffentlicht – zumeist in minimalen Auflagen von 10 bis 100 Stück und ausgestattet mit in liebevoller Handarbeit erstellten Covers.
Alvaro macht "sein Ding" – voller Hingabe und ohne Zugeständnisse an den musikalischen Mainstream. Leben kann er von seinen Einkünften als Musiker jedoch nicht, er bezieht Sozialleistungen und wird von Freunden und Förderern unterstützt.

Alvaro besitzt seit einigen Jahren die deutsche Staatsbürgerschaft. Zuhause fühlt er sich jedoch weder in Deutschland, noch in Chile, noch sonstwo auf der Erde. Er sitzt zwischen allen Stühlen – als in der Öffentlichkeit stehender Musiker ebenso wie als Privatperson.
Full Dedication ALVARO fokussiert auf Alvaros Leben in Konstanz am Bodensee, auf sein passioniertes Musikerdasein (inkl. Rückblenden in seine musikalische Vergangenheit) und seinen Zustand der Heimatlosigkeit.

In der Dokumentation treten neben Alvaro u.a. in Erscheinung:

Hilde Schneider, Alvaros Ex-Ehefrau, die ihn nachwievor berät und eine Weile auch das Booking von Auftritten für ihn übernahm;

Jens-Peter Volk, der Alvaro seit Jahren als Bassist begleitet und die meisten seiner Projekte produziert;

Martha Schnitzer, eine fast 90-jährige Nachbarin, die Alvaro mit Second-Hand-Kleidung und Gebäck versorgt;

Andreas Rieck, Buchhändler und Punkrocker, der Alvaros Schallplatten vertreibt;

Aurel Roman, Schuhmacher, der Alvaro Rabatt auf die Reparatur seiner Schuhe gibt (und dafür mit einem Live-Konzert in seinem kleinen Schuhladen belohnt wird);

Thomas Zoch, Journalist, der in verschiedenen Lokalblättern immer wieder über Alvaro und seine Projekte schreibt;

Frieder Butzmann, Komponist, der anhand eines von ihm erstellten Radio-Features Alvaros Musik analysiert.

 

Hans Kotter / birds & bells Filmproduktion © 2008

Preisträger der 25. video/film tage 2008 - Jurybegründung

Förderpreis des Thüringer Ministeriums für Bau, Landesentwicklung und Medien
"Full Dedication ALVARO" – Hans Kotter, Jochen Hägle, Christian Zschammer
Kategorie: Freie Arbeit

„Full Dedication Alvaro“ ist ein Portait über einen Musiker, welcher in den 70er Jahren seine Heimat Chile wegen der dortigen Militärdiktatur verlassen musste. Heute lebt er in Konstanz am Bodensee. Full Dedication Alvaro lässt uns auf die heutige musikalische Welt des Alvaro blicken. Rückblenden auf Orte und Ereignisse aus seinem bisherigen Leben geben einfühlsam Informationen über einen Heimatlosen preis. Alvaro, der sich nirgends so richtig zu Hause fühlt hat seine Heimat in der Musik und in den einfachen Dingen des Lebens gefunden.

Begleiter aus seinem Umfeld erklären uns in dieser Produktion ihre ganz persönliche Faszination von diesem außergewöhnlichen Menschen. Dem Film gelingt es, einen sicherlich den meisten Zuschauern unbekannten chilenischen Künstler lieb zu gewinnen, obwohl dieser auf eine sehr in sich gekehrte, eigenwillige und wunderliche Weise lebt. Alvaro fällt durch charmante äußerliche Sonderlichkeiten auf. Seine Musik ist von ursprünglicher Kargheit gekennzeichnet und hat keine Chance ein Massenpublikum zu begeistern.

Doch das ist das Besondere an ihm und sicherlich auch das, was seine musikalischen Freunde an ihm schätzen. Alles was sie mit ihm tun, tun sie mit Hingabe, sei es auch noch so minimalistisch. Die Abwesenheit von Perfektion scheint für sein Leben kennzeichnend und wichtig zu sein. In diesem Punkt erzeugt der Film ganz gewiss auch nach innen gerichtete Fragen bei seinen Zuschauern, welche täglich unzählige Botschaften erreichen, die ihnen eindringlich vermitteln wollen, was man zum Leben braucht.

„Full Dedication Alvaro“ gelingt eine Balance zwischen dem „öffentlichen“ Alvaro und dem ganz privaten, welcher uns manchmal sehr nahe und vertraut ist. Diese Übermittlung von Vertrautheit wird durch einen ruhigen und ernsten, aber auch manchmal kindlich wirkenden Alvaro erzeugt sowie durch die klare, ruhige Kamerasprache unterstützt, welche immer eine respektvolle Distanz wahrt. Ausgewählte Nahaufnahmen bringen markant Wesenhaftes hervor.
Einen unverstellten Blick auf den Portraitierten erhält der Zuschauer zweifelsohne durch die im Film gut dosierten musikalischen Darbietungen. Sie sind ergreifend, manchmal komisch, aber immer echt. In ihnen hören wir seine Sehnsucht, seine Sentimentalität und seine Wärme - in einer faszinierenden Schlichtheit.

„Full Dedication Alvaro“ ist ein gelungener Dokumentarfilm dem man zahlreiche Zuschauer und Vorführorte wünscht, wohlwissend dass Alvaro nicht Alvaro wäre, würde er populär werden und kenne ihn jedermann landauf landab.

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